Erscheinung einer Ferne, 2016Öl auf Leinwand45x90cm

Uke33 2016 – Kunst und Landskape

Malerei zum Thema „Spur“

Ich habe mich diese Woche mit dem Text „Spur und Aura“ von Walter Benjamin auseinandergesetzt:

„Die Spur ist Erscheinung einer Nähe, sofern das sein mag, was sie hinterließ. Die Aura ist Erscheinung einer Ferne, so nah das sein mag, was sie hervorruft. In der Spur werden wir der Sache habhaft; in der Aura bemächtigt sie sich unser.“ (Aus: W. Benjamin, „Das Passagen-Werk“)

Die Bilder entstanden auf der Hochebene, zur der der alte Fussweg führt, den Peter entdeckt und freigelegt hat. Die Spuren in der Landschaft, die weit in die Vergangenheit zurückweisen, kommen uns näher; jemand hat den Weg hinterlassen, den Raum gestaltet.

Die Leinwand lag am Boden. Mit Tusche suchte ich direkt auf ihr nach einer Komposition. Sie horizontal zu nehmen, was Landschaften eigentlich mehr entsprechen würde, schien hier unmöglich. Zu weit war die Landschaft im Vergleich zur Leinwand.

Bis in die Nacht hinein blieb ich auf der Hochebene und malte die beiden Bilder, das eine am Morgen, das andere am Abend. Es waren der Tag und die Nacht vor dem Vollmond. Während des nordischen Sonnenuntergangs erscheint der Mondaufgang im Gegenlicht der Sonne. Was mich sehr freute, war, dass beim Abendbild eine blaue Figur zum Vorschein kam.

Felix und Araksane habe das Nachtessen hochgetragen. Und zu meiner Überraschung kamen Axel, Ingrid, Anna, Frederike und Werner kurz vor dem Eindunkeln hoch und haben geholfen, alles runterzutragen. Den Malprozesse habe ich bis zur Vernissage im Atelier fortgesetzt.

 

„Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten,
dem Wege, den ich kaum begann, voran.
So faßt uns das, was wir nicht fassen konnten,
voller Erscheinung, aus der Ferne an —“
Rainer Maria Rilke

 

Am Ende werden wir hier

Pfingstfestspiele 2016

Pfingstspielprogramm 2016

19 Uhr Der Moment in dem die Bilder auftreten.
Drei  Bilder zum Thema – Nach den Wiesen –
Sonja Maria Borer

20 Uhr Konzert
‹Geheimnisse auf dem Wege› Ensemble Chrotonía Klang/Sprache/Bewegung
Carla Linné, Johanna Lamprecht, Aina Aasland
Das Ensemble chrotonía bringt nordische Lyrik in einen klingenden Dialog. «Ich stand in einem Raum, der alle Augenblicke enthielt» heißt es bei dem schwedischen Dichter Tomas Transströmer: eines der Geheimnisse auf dem Wege, das die drei Künstlerinnen improvisierend in Zeit und Raum übersetzen werden.

 

20 Uhr Konzert
‹Geheimnisse auf dem Wege› Ensemble Chrotonía Klang/Sprache/Bewegung
Carla Linné, Johanna Lamprecht, Aina Aasland
Das Ensemble chrotonía bringt nordische Lyrik in einen klingenden Dialog. «Ich stand in einem Raum, der alle Augenblicke enthielt» heißt es bei dem schwedischen Dichter Tomas Transströmer: eines der Geheimnisse auf dem Wege, das die drei Künstlerinnen improvisierend in Zeit und Raum übersetzen werden.

 

Weisser Enzian 2013, Öl auf Leinwand, 55.5x52.5cm -Privatbesitz-

2016 Maleri Utstilling Blomstereng

Utstilling 4. mars til 27. mai 2016 alle fredager kl. 14-22
Englegalleriet, Leira. 7100 Rissa. Sør-Trøndelag

Tekst til bildene Blomstereng Hva ser vi når vi står i en eng?  I nærheten ser vi et virvar av gress, blomster og blader og i fjerne ser vi en eng. Men begge ser vi ikke helt til enden.  Prøver vi å oppfatte det virvar av gress og blader mister vi oss selv og vi ser ikke slutten.  Prøver vi å gripe en fjern eng, løser engen seg opp og svinner bort.  Gjennom denne sansingen maler jeg hva jeg ser: en sammenheng av et virvar og en oppløsende sammenheng.

En farge som utgangspunkt
Her begynte jeg med en farge som utgangspunkt og søkte en bestemt kvalitet av denne fargen med en fri komposisjon.

 

 

Alles grün
Die Wiesen ziehen leise das sanfte grün mit fort
und führen wieder her das grün,
bald ist es nah bald ist es wieder weit,
so weit, dass sich in mir die Angst, die Sehnsucht regt.
Und Sehnsucht ist doch tot und Bangen ist doch tot.
Die Wiesen ziehen leis die tote Angst heraus
aus meinem Herzen, dann wird wieder alles still.
Und alle Welt seh ich mit schönen Wiesen voll
Ich mag auch schauen, wohin,
mit grünen Wiesen voll und nur mit grün,
mit grün, das treulich stille hält,
ist voll die ganze Welt. / Robert Walser

grün, 2016
Roggentempera auf Tafel, 30x40 cm

grün – Robert Walser

die phantasie erlöst uns,
und der traum ist unser befreier.
der schlaf hat innere augen
wichtig ist nur die reise zu sich selbst.
robert walser

Alles grün
Die Wiesen ziehen leise das sanfte grün mit fort
und führen wieder her das grün,
bald ist es nah bald ist es wieder weit,
so weit, dass sich in mir die Angst, die Sehnsucht regt.
Und Sehnsucht ist doch tot und Bangen ist doch tot.
Die Wiesen ziehen leis die tote Angst heraus
aus meinem Herzen, dann wird wieder alles still.
Und alle Welt seh ich mit schönen Wiesen voll
Ich mag auch schauen, wohin,
mit grünen Wiesen voll und nur mit grün,
mit grün, das treulich stille hält,
ist voll die ganze Welt.
– robert walser

 

g r ü n
man begreift es nicht, man vermag es kaum zu fassen, es ist erschreckend, es ist etwas unheimliches, etwas beinahe überwältigendes. ‚hat es einen sinn?’ fragt man sich. beinahe sinnlos ist es. es betäubt, es macht den verstand schwindeln. es tut den augen, dem herzen weh, es beklemmt und bestürzt die seele. farbe, farbe. keine andere ist vielleicht so sehr farbe, wie diese. keine zweite farbe blendet so sehr. grün, grün.
wohin man blickt: grün. die einfälle, die gedanken, die regungen der seele nehmen eine heimliche verwandtschaf mit dem grün an und arten in grün aus. die gesichter sind beinahe grün. es hat etwas rätselhaftes, aufregendes, grauenhaftes. nein, nein, es ist nicht so einfach; um den modernen menschen herum ist überhaupt nichts mehr so einfach. täuschen wir uns nicht, gehen wir nicht mit bleichen, kranken scherzen über dinge hinweg, die uns erschüttern, die uns die ohnmacht, in welcher wir immer, immer leben, eindringlicher fühlen machen. grün, grün.
aus dem boden hervor quillt es dick. es ist geradezu entsetzlich. es lähmt, macht auf minuten krank, der kopf steht still, und die seele will aufschreien, will aus ihrer befestigung, dem körper, herausbrechen.
blau ist sittsam und sanft. es gibt auch im herbst und im winter ein blau. aber grün? warum grün? warum, warum so schrecklich, so köstlich, so herrlich grün. es brennt. grün: das brennt. die welt im frühling ist ein brand in grün. grün ist eine raserei von farbe.
hochauf bäumt es sich, lang streckt es sich aus. man ist kein mensch mehr. man weiss nicht mehr, was und wer man ist. es tobt, es zürnt, es quillt, es lodert. grün ist eine fürchterlich ernste, heilige farbe, eine mahnende, fragende farbe, eine göttliche farbe.
weiss, zum beispiel, lächelt. gelb streichelt. warum gibt es schwarze und weisse katzen, und nicht grüne? ach ja, und warum schillern manchmal augen grün? grün kriecht über nacht aus dem
innern der erde, schlägt überall, überall, einer dunklen ahnung ähnlich, hervor. wie ist grün gebieterisch.

grün sei die farbe der hoffnung? jawohl, gewiss, ganz gewiss. doch man versuche es, zu hoffen ohne je zu erzittern und zu erschauern. dicht neben, oder vielmehr, mittendrin in der hoffnung lebt finsteres hoffnungsloses bangen und verzagen. es gibt keine farbe auf der welt, die so sehr einsamkeit und planeten-verlorenheit ausdrückt wie grün. grün ist der ruhm der welt. grün ist die grösste, feierlichste farbe. es ist der farbenanfang, der inbegriff, der stolz der farben. es ist der farbenanfang, der inbegriff, der stolz der farbe. grün ist die seele der farbe. und dann: warum ist es nicht ein wenig heller? es könnte ja matter, leichter sein. aber nein, nicht hell, sondern düstersatt, samtig dunkel, wie ein weltenzorn, tritt es auf und leuchtet und schillert und blendet uns entgegen.

warum ist man im frühling so krank, so matt, so frauenhaft auf das weiche und zärtliche gestimmt, so tatlos, so phantasielos. grün erstickt die phantasie, weil es selber eine phantasie ist. grün ist der räuber der menschlichen energien; hat nicht napoleon sich vor dem frühling gefürchtet? nicht? nun, dann bilde ich es mir vielleicht nur ein, denn auf mich wirkt es wie eine lähmung, derart, dass ich mich in eine katakombe zurückziehen möchte, um nur dem erschreckend süssen anblick zu entgehen. ich fürchte mich im winter nie vor mir, im herbst habe ich geradezu goldenes zutrauen zu mir selber, aber im grün, um gottes willen, hinein in die erstbeste kneipe, trinken, trinken. grün tötet. blühen, knospen. wozu? man versteht es nicht. ich weiss es jetzt, weiss es jetzt ganz genau, dass ein blühender frühling auf den menschen, je länger er lebt, einen immer stärkeren eindruck macht; da wird es ganz nass, da schwimmt es vor lauter grün, und alle menschenbeschäftigungen kommen einem so sonderbar vor, beinahe wie ein klarübersichtlicher irrsinn. es ist ja in der tat auch etwas irrsinniges am grün; und blühen: was ist es anderes als eine art irrsinn? flimmern ist irrsinn.

schon recht. man wird sich ja natürlich, als der mensch von verstand, der man ist, damit abzufinden wissen. hier wollte ich eine illustration liefern, eine verkörperung, eine verherrlichung. o, es gibt träume, die ganz dunkelgrün sind, von spuren rot durchzogen, von blau umsäumt, so, als sei unser denken und dichten blau, unser besseres wollen rot und unser leben unaussprechlich grün.

ja, grün ist – leben, grün ist lieben. es missfällt oft. es entzückt und entsetzt zu gleicher zeit, und es wird von tag zu tag wilder und üppiger. nach und nach, gegen den sommer, lässt es an tiefe ab. man gewöhnt sich daran. dann geht man unter den reichen blätterflüsternden bäumen wie unter dächern spazieren. der staub nimmt ihm auch viel von seinem tiefen glanz weg, und mitten in grossen städten rauschen und wispern im hochsommer die blätter, die dann ganz grau und fahl sind, als seien sie von eisen.
– robert walser